Viele Patientinnen und Patienten verschieben noch immer regelmäßige Kontrolluntersuchungen und lassen beginnende Karies nicht rechtzeitig behandeln. Unbehandelte Defekte können zu Zahnschmerzen führen und in vielen Fällen eine Wurzelkanalbehandlung erforderlich machen. Diese Behandlung wird in der Zahnmedizin als Endodontie bezeichnet.
Wann ist eine Wurzelkanalbehandlung notwendig?
Zu den häufigsten Indikationen gehören:
- Pulpitis (Entzündung des Zahnnervs)
- apikale Parodontitis (Entzündung der Wurzelspitze und umliegender Gewebe; der Nerv ist meist bereits abgestorben)
- Vorbereitung eines Zahnes für eine prothetische Versorgung, wenn eine starke Präparation notwendig ist
- Reendodontie – erneute Behandlung zuvor unvollständig oder fehlerhaft versorgter Kanäle
Ein nicht rechtzeitig durchgeführtes endodontisches Vorgehen kann zu einer Fraktur des Zahnes und letztlich zur Extraktion führen, was langfristig höhere Zeit- und Kostenaufwände bedeutet.
Wie läuft eine Wurzelkanalbehandlung ab?
1. Zugang zu den Wurzelkanälen
Zunächst entfernt der Zahnarzt kariöse Zahnhartsubstanz sowie ältere Füllungen, um Zugang zu den Kanälen zu schaffen.
2. Entfernung des Nervs und Bestimmung der Arbeitslänge
Früher wurde oft Arsen eingesetzt, heute erfolgt die Behandlung dank moderner Anästhesie schmerzarm.
Der Zahnnerv wird mithilfe spezieller Instrumente und Spüllösungen entfernt, die sogar Gewebeanteile auflösen können.
Anschließend wird die Arbeitslänge der Kanäle genau bestimmt.
3. Erweiterung der Wurzelkanäle
Die Kanäle werden mit mechanischen und handgeführten endodontischen Instrumenten erweitert.
Durch moderne Materialien und Techniken erreicht die primäre endodontische Behandlung eine Erfolgsquote von über 95 %.
Bei einer Reendodontie liegt die Erfolgsquote bei etwa 80 %, da die anatomischen und technischen Bedingungen komplexer sein können.
4. Füllen der Wurzelkanäle
Die endgültige Phase ist das Füllen der Kanäle, meist mit Guttapercha – einem biologisch inertem Material.
Sorgfalt und Erfahrung sind in diesem Schritt entscheidend, da unzureichende Abdichtung langfristige Komplikationen verursachen kann.
Worauf sollte während der Behandlung geachtet werden?
Während aller Behandlungsschritte werden antiseptische Lösungen eingesetzt, um eine weitestgehende Keimreduktion in den Kanälen zu erreichen.
Trotz der Komplexität ist die Behandlung dank moderner Anästhesie in der Regel gut verträglich.
Warum sind mehrere Termine notwendig?
Mehrere Sitzungen können erforderlich sein, wenn:
- eine komplexe Wurzelkanalanatomie vorliegt – in solchen Fällen kann die Behandlung an zwei aufeinanderfolgenden Tagen abgeschlossen werden
- ein akuter Entzündungsprozess besteht – die Infektion muss zuerst reduziert werden; dies kann 3 Tage bis 2 Wochen dauern
Zwischen den Terminen wird oft ein medikamentöser Einlageverband eingesetzt (z. B. auf Calciumhydroxidbasis), um Keime zu reduzieren.
Schmerzen nach einer Wurzelkanalbehandlung
Leichte Beschwerden in den ersten 2–3 Tagen sind normal.
In manchen Fällen können Symptome länger bestehen.
Wenn Schmerzen anhalten oder sich verstärken, sollte eine Kontrolle erfolgen.
Wie lange hält ein wurzelbehandelter Zahn?
Eine qualitativ hochwertige endodontische Versorgung kann langfristig erhalten bleiben.
Wichtig ist die abschließende definitive Versorgung des Zahnes – Krone, Füllung oder prothetische Konstruktion.
Eine Verzögerung kann das Risiko einer Reinfektion erhöhen.
Wie lässt sich eine Wurzelkanalbehandlung vermeiden?
- regelmäßige Kontrolluntersuchungen
- frühe Behandlung von initialer Karies
- konsequente Mundhygiene
- Nachkontrollen nach endodontischer Therapie, um mögliche versteckte Prozesse rechtzeitig zu erkennen




